Gesunde Ernährung: Männer

Männer und Gesundheit

Ist in Sachen Gesundheit das starke Geschlecht in Wahrheit schwach? Die Frauen fordern seit langem eine frauenspezifische Medizinforschung. Von Männern hört man Vergleichbares nicht. Dabei hätten sie allen Grund dazu. Männer neigen dazu, ihren Körper als Maschine zu betrachten, die, solange sie Leistungsfähigkeit garantiert, wenig bis keine Pflege braucht. Bei grösseren «Pannen» ist dann halt mal eine Reparatur fällig. Doch die Realität sieht anders aus: Jährlich sterben Hunderttausende im besten Mannesalter an drei, vier ganz bestimmten Krankheiten. Lesen Sie, auf was Männer achten sollten, wenn es um gesundheitsfragen und -probleme geht.

Je älter die Menschen werden, um so klarer zeigt sich, dass Männer im Durchschnitt jünger sterben. Die Todesursache Nr. 1 in den Industriestaaten, die Krankheiten des Herz-Kreislaufsystems, ist vor der Pensionierung in erster Linie Männersache, insbesondere was den Herzinfarkt betrifft. (Erst nach dem 65. Altersjahr ist das Risiko gleichmässiger auf beide Geschlechter verteilt).

Männer, hört auf die Signale
Häufiger als Frauen sterben Männer an Herzinfarkt, (chronischen) Lebererkrankungen, Erkrankungen der Luftröhre, Bronchien und Lunge, Krebs, AIDS sowie Verletzungen und Vergiftungen. Bis zum Rentenalter leiden Männer öfter als Frauen an Ernährungs- und Stoffwechselerkrankungen, hormonell bedingten Krankheiten sowie Störungen im Immunsystem. Das starke Geschlecht hat auch überdurchschnittlich oft mit Krankheiten der Verdauungsorgane und der Haut zu tun.
Viele Wissenschaftler neigen dazu, erbliche und hormonelle Ursachen in den Vordergrund zu stellen. Tatsächlich ist es aber so, dass die wichtigsten oben genannten «typischen» Männerkrankheiten viel mit falscher Ernährung, schädlichem Stress, Alkohol- und Zigarettenmissbrauch zu tun haben, also, salopp ausgedrückt, weitgehend «hausgemacht» sind.

Die Angst vorm Kranksein
Generell haben Männer mehr Probleme damit, sich Ängste einzugestehen und darüber zu reden. Eine Mehrheit versucht, ihre Ängste zu kaschieren und behauptet im Falle einer Krankheit, alles sei halb so wild, es handle sich um eine Bagatelle. Krankheit macht nicht nur Angst, sie ist auch mit (vorübergehender) Schwäche, Abhängigkeit, Angewiesensein auf Hilfe und Passivität verbunden. Eine schlimme Sache für Männer, die meinen, alles selber machen, bestimmen und unter Kontrolle haben zu müssen.

Der bessere Umgang mit sich selbst
Wenn Männer Probleme haben, fangen sie weder an zu heulen noch zu jammern, und erst recht reden sie nicht darüber. Vielmehr ballen sie die Faust hinter dem Rücken und versuchen, das Tempo erneut anzuziehen. Ob das Gasgeben als Zwischenspurt taugt oder zum tragischen Endspurt wird, stellt sich leider oft zu spät heraus. Das leise Zerstörungswerk des Alters, das an uns nagt seit wir das zwanzigste Altersjahr hinter uns brachten, ist nicht durch die Flucht nach vorn aus der Welt zu schaffen. Der Wunsch, ständig in Hochform zu sein und «biologisch» jung zu bleiben, lässt sich nicht erfüllen. Bescheidenere Wünsche schon. An dem Verhältnis zwischen Fett und Muskeln, am Zustand der Knochen, des Kreislaufs, der Lungenkapazität lässt sich ablesen, wie alt jemand ist – oder wie jung, fit und gesund er sich fühlt.

Warum Männer nicht so alt werden wie Frauen
Auf der ganzen Welt haben Männer eine geringere durchschnittliche Lebenserwartung als Frauen. Um die Jahrhundertwende betrug der Unterschied nur ein Jahr, jetzt, um die Jahrtausendwende, leben Frauen – statistisch gesehen – sechs bis sieben Jahre länger als Männer. Ist das starke Geschlecht schwächer als bisher angenommen? Oder machen Männer etwas falsch? Welche Kräfte, über die Frauen verfügen, fehlen ihnen? Heute kann ein Junge, zieht man die Statistik zu Rate, damit rechnen, 73,6 Jahre alt zu werden, ein Mädchen wird durchschnittlich 80 Jahre lang leben. Wer heute das 60. Altersjahr bereits erreicht hat, erlebt durchschnittlich als Mann noch weitere 18,5 Jahre, als Frau noch 22. Obwohl sich mit jeder Bevölkerungsstatistik die Schere zwischen der weiblichen und männlichen Lebenserwartung weiter öffnet, hat sich die Wissenschaft mit der Suche nach den Gründen noch relativ wenig beschäftigt. Im Grossen und Ganzen gibt sie zwei Antworten: eine biologische und eine gesellschaftlich-kulturelle.

Die biologischen Gründe
Die meisten Forscher gehen davon aus, dass die etwas kleinere Statur der Frauen, verbunden mit einem relativ grösseren Hirngewicht, sowie Unterschiede im Hormonhaushalt und im Körperbau für die unterschiedliche Lebenserwartung mitverantwortlich sind. Es gibt Hinweise darauf, dass der weibliche Körper dem männlichen leicht überlegen und das Immunsystem von Frauen leistungsfähiger ist. Schon männliche Kleinkinder sind empfindlicher gegen Infekte. Warum das so ist, weiss man nicht genau, genetische Ursachen werden diskutiert. Die etwas bessere Funktionstüchtigkeit des weiblichen Körpers könnte auch damit zu tun haben, dass Frauen zwei, Männer dagegen nur ein X-Chromosom besitzen. Weist das X-Chromosom des Mannes einen Gendefekt auf, kann er nicht wie bei der Frau durch das auf dem zweiten X-Chromosom sitzende identische Gen kompensiert werden, das mit aller Wahrscheinlichkeit intakt sein dürfte. Bekannte Beispiele für diesen Effekt sind Farbenblindheit und Bluterkrankheit, die fast nur bei Männern vorkommen.

Typisch männlich
Zu diesen biologischen Faktoren kommen aber mit Sicherheit Unterschiede in der Lebensführung und Verhaltensweisen, die pauschal als typisch männlich definiert werden.

- Männer kümmern sich weniger um ihre Gesundheit. Sie gehen seltener zum Arzt, Zahnarzt und zu Vorsorgeuntersuchungen. Zwar neigen Männer dazu, bei Kleinigkeiten wehleidig zu sein, doch nach der Devise «gelobt sei, was hart macht» beachten sie ernstere Symptome zu wenig und sind im Umgang mit der eigenen Gesundheit zu nachlässig.

- Männer haben schlechtere Essgewohnheiten. Sie essen weniger Früchte, Gemüse und Ballaststoffe als Frauen und verzichten schwerer auf Fleisch und Zucker. Sie nehmen durchschnittlich mehr Cholesterin und gesättigte Fettsäuren zu sich

– Risikofaktoren für die gefürchteten Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

- In Deutschland und in der Schweiz sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen für fast die Hälfte aller Todesfälle verantwortlich. Da Männer davon häufiger betroffen sind als Frauen, ist hier eine der wichtigsten Ursachen für die unterschiedliche durchschnittliche Lebensdauer zu suchen. Der Unterschied in der Infarktsterblichkeit zwischen den Geschlechtern ist in der Altersgruppe der 45- bis 65-jährigen am grössten. In diesem Alter sterben viermal so viele Männer an Herzinfarkten wie Frauen. Liegt es daran, dass Männer dieses Alters sowohl im Beruf als auch im Privatleben noch einmal so richtig aufdrehen (müssen), um ihre Leistungsfähigkeit unter Beweis zu stellen?

- Männer haben häufiger Übergewicht als Frauen.

- Männer sind körperlich passiver als Frauen. Entgegen der landläufigen Meinung sind Frauen mehr darum bemüht, regelmässig im richtigen Mass körperlich aktiv zu sein.

- Männer konsumieren mehr Alkohol, Zigaretten und andere Suchtmittel. Beim Zigarettenkonsum (35,6% der Männer und 18,8% der Frauen rauchen regelmässig) haben zwar die jungen und mittleren Jahrgänge der Frauen «aufgeholt», doch gilt es immer noch als besonders männlich, tüchtig Alkohol zu trinken.

- «No risk, no fun», ein (vor allem) männliches Lebensmotto. Durch ihre Neigung zu stärkerem Risikoverhalten im Strassenverkehr und im Sport erleiden Männer mehr Unfälle mit tödlichen oder schweren Verletzungen. Bis zum Alter von 65 Jahren sterben sie nicht nur wesentlich häufiger bei Arbeits- und Sportunfällen, sondern auch bei Unfällen im Haus.

- Männer gehen auch im Beruf grössere Risiken ein. Gefährliche Berufe werden öfter von Männern ausgeübt, und sie müssen häufiger an gift- und umweltbelasteten Arbeitsplätzen ihren Mann stehen. So sind Arbeitsunfälle und schwere Behinderung durch Berufskrankheiten bei Männern verbreiteter. Auch der Suizid nach Arbeitsplatzverlust kommt bei Männern häufiger vor.

- Männer pflegen weniger soziale Kontakte. Sie haben ausserhalb der Familie in der Regel eher oberflächlichere Freundschaften. Beim Verlust des Partners resignieren Männer eher, weil sie sowohl in praktischen Dingen hilfloser sind als auch mit Veränderungen schwerer zurecht kommen. Im Alter haben viele Mütter mehr Kontakt und ein engeres Verhältnis zu den Kindern, von denen sie auch stärkeren Halt und Unterstützung bekommen.

Methusalem war ein Mann: Mehr Wohlbefinden über 80
Ein Trost bleibt: Männer haben zwar eine statistisch kürzere Lebenserwartung (in den Industriestaaten kommen auf 100 Frauen, die älter als 80 werden, nur 39 Männer), erreichen sie jedoch ein so hohes Alter, erfreuen sie sich meist besserer Gesundheit als Frauen und sind insgesamt dadurch unabhängiger, das haben Altersforscher sowohl in den USA als auch in Europa festgestellt.

Quelle: (c) A.Vogel Gesundheits-Nachrichten, www.avogel.de, CH-9053 Teufen AR, 2012

 

... haben Übergewicht

 

Damit bringen sieben von zehn Männern zu viel auf die Waage. Bei Frauen liegt der Anteil bei 52,9 Prozent. Etwa 15 Prozent der Kinder im Alter von drei bis 17 Jahren leiden an Übergewicht, davon 6,3 Prozent an Fettleibigkeit (Adipositas). Wesentliche Faktoren für die Entstehung von Übergewicht sind eine zu kalorienreiche Ernährung und zu wenig Bewegung. Für die Betroffenen geht mit starkem Übergewicht häufig ein erheblicher Verlust von Lebensqualität einher, oft entstehen Folgeerkrankungen wie Diabetes und Herz-Kreislauf-Probleme. Das Gesundheitssystem wird jedes Jahr mit erheblichen Kosten durch ernährungsbedingte Krankheiten belastet.

Die Information über gesunde Ernährung und mehr Bewegung und eine Versorgung mit gesunden, vielfältigen Nahrungsangeboten in Schulkantinen, Seniorenheimen oder Kindertagesstätten ist daher wichtiger denn je. Das Bundesernährungsministerium bietet gemeinsam mit dem Bundesgesundheitsministerium im Rahmen der Initiative IN FORM vielfältige Unterstützung für Jung und Alt, für junge Familien genauso wie für Senioren.

IN FORM Deutschlands Initiative für gesunde Ernährung und mehr Bewegung soll möglichst viele Menschen erreichen und dazu beitragen, dass Kinder und Erwachsene sich ausgewogen und vielfältig ernähren, bewusst mit Lebensmitteln umgehen und die Freude an Bewegung entdecken.

Weitere Informationen unter www.in-form.de
Quelle: BMELV, BLE, DGE

Männer essen anders:

DGE nahm Lebensmittelverzehr von Männern und Frauen unter die Lupe

Männer essen mit 1092 g pro Woche doppelt so viel Fleisch, Fleischerzeugnisse und Wurstwaren wie Frauen. Damit überschreiten Männer den von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE) zugrunde gelegten Orientierungswert von 300 bis 600 g pro Woche um das Zweifache. Frauen liegen mit knapp 600 g Fleisch, Fleischerzeugnissen und Wurstwaren pro Woche an der oberen Grenze. Neben dem unterschiedlich hohen Fleischverzehr werden insbesondere bei Getränken geschlechtsspezifische Unterschiede im Ernährungsverhalten deutlich: Männer trinken etwa doppelt so viel Limonade und mehr als sechsmal so viel Bier wie Frauen. Auffällig ist der hohe Spirituosenkonsum von jungen Männern zwischen 19 und 24 Jahren: Sie trinken viermal so viel Schnäpse, Liköre, Cocktails oder Alkopops wie Männer anderer Altersgruppen.

Im Volksmund heißt es „Frauen mögen eher Süßes als Männer“. Doch dies kann die DGE nicht bestätigen. Ihr 12. Ernährungsbericht zeigt, dass die männliche Bevölkerung mehr Zucker, Süßwaren, Kuchen, Torten und Gebäck sowie Fruchtsäfte und Nektar verzehrt. Auch isst sie mehr Brot, Getreide, Getreideerzeugnisse, wie Reis, Nudeln oder Cerealien sowie Knabberartikel. Dabei verzehren junge Männer unter 25 Jahren nahezu doppelt so viel Getreide und Getreideerzeugnisse wie die über 65-Jährigen.

Diese und weitere Ergebnisse stammen aus dem 12. Ernährungsbericht der DGE. Hierin wurde der Lebensmittelverzehr von knapp 14000 Männern und Frauen zwischen 14 und 80 Jahren aus Daten der Nationalen Verzehrsstudie II (NVS II) ausgewertet.

Hintergrundinformation
Frauen essen mehr Milcherzeugnisse wie Joghurt, Buttermilch, Kefir oder Molke. Männer trinken mehr Milch. Allerdings erreichen sowohl Frauen als auch Männer den Orientierungswert der DGE zum Verzehr von Milch und Milcherzeugnissen (außer Käse und Quark) von 200 g bis 250 g pro Tag nur zu zwei Dritteln. Beim Käse und Quark gibt es kaum geschlechtsspezifische Unterschiede. Auch hier liegt der Verzehr unterhalb der DGE-Empfehlung von 50 bis 60 g pro Tag. Die empfohlenen Mengen für Fisch – 80 g bis 150 g fettarmer Seefisch und 70 g fettreicher Seefisch pro Woche – werden von allen deutlich unterschritten.

Frauen haben beim Obst die Nase vorn: Sie essen 182 g pro Tag, Männer nur 143 g. Damit wird der von der DGE genannte Orientierungswert von mindestens 250 g pro Tag von beiden Geschlechtern nicht erreicht. Ähnlich sieht es beim Gemüse aus, wobei Frauen mehr Rohkost und Männer mehr erhitztes Gemüse verzehren. Ob roh oder gegart, die DGE empfiehlt mindestens 400 g Gemüse am Tag. Dies wird von Männern und Frauen nur zu einem Drittel erreicht. Denn der Gemüseverzehr liegt bei beiden Geschlechtern nur bei 124 g pro Tag. Mehr Gemüse und Obst sind also wünschenswert.

Erfreulich ist, dass die empfohlene Trinkmenge von mindestens 1,5 Liter für Erwachsene von beiden Geschlechtern mit etwa zwei Litern pro Tag erreicht wird. Während Männer mehr Limonade trinken, greifen Frauen häufiger zu Wasser, Kräuter- sowie Früchtetee. Wasser ist mit etwa 1 Liter pro Tag das am meisten getrunkene Getränk. Frauen trinken im Mittel knapp 100 ml alkoholhaltige Getränke pro Tag, Männer hingegen 351 ml. Damit liegen die Männer deutlich über dem Richtwert für Alkohol. Die DGE hält für Männer 20 g reinen Alkohol pro Tag als gesundheitlich verträglich – wobei dies nicht täglich getrunken werden soll. Diese Menge entspricht z. B. 0,5 Liter Bier. Für Frauen liegt der Richtwert bei 10 g pro Tag.
Quelle: DGE